Auswärts ist anders

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Schon eine ganze Weile habe ich hier nichts geschrieben. Es gab nicht sehr viele Spiele der Rhein-Neckar Löwen, ich hatte Urlaub und einen zweiten Strich, der einen Strich durch die Urlaubspläne gemacht hat. Auswärts mit den Löwen in Kiel war damit hinfällig, obwohl wir Karten hatten. Sehr ärgerlich, aber nur aus diesem Grund gibt es hier keinen Bericht über die erste Saisonniederlage der Löwen.

Nicht auswärts, sondern zuhause taten sich die Löwen gegen die TSV Hannover-Burgdorf dann sehr schwer. Am Ende stand dennoch ein glücklicher, aber nicht unverdienter 32:31-Erfolg. Eine hohe Hürde, die da übersprungen wurde. Da ich danach immer noch relativ schnell müde war, konnte ich mich nicht zu einem Bericht aufraffen. Ich bitte hiermit um Nachsicht!

Auswärts im Pokal

Anders sieht das jetzt aus in Sachen DHB-Pokal. Da mussten die Löwen auswärts ran, beim SC DHfK Leipzig. Und als Service für alle, die wie die beiden Löwen-Fans hinter mir nicht wissen, wofür das DHfK steht, hier die Auflösung: Deutsche Hochschule für Körperkultur. Bitte, gern geschehen! Und nun zum Sportli… ach nee, zuvor doch lieber etwas zur Fahrt und zur Halle.

Im Fan-Bus nach Leipzig

Sicher, ich bin nicht der typische Auswärts-Mitfahrer. Das liegt v.a. daran, dass es v.a. zeitlich nicht machbar ist, immer und immer wieder auch auswärts mit dabei zu sein. Zugegeben: Ich würde schon gerne, aber, wie gesagt, es klappt nicht oft. Dieses Mal aber kamen gleich zwei Faktoren zusammen. Zum einen hatte ich noch frei, weshalb ich sowieso mitgefahren wäre. Und zum anderen stellte WTG, seit dieser Saison neuer Hauptsponsor der Löwen, für interessierte Fans einen Bus nach Leipzig kostenfrei zur Verfügung. Kann mensch da noch nein sagen? Ich nicht, unsere Tochter nicht, und fast 40 weitere Löwen-Fans ebenfalls nicht.

Treffpunkt SAP Arena

Auf dem Busparkplatz der SAP Arena fanden sich nach und nach alle Mitfahrer:innen ein. Von Sarah, bei den Löwen für das Ticketing verantwortlich, gab es die Eintrittskarten für die Leipziger Quarterback Immobilien Arena, was absolut reibungslos verlief. Als dann noch ein Auto mit einem Vertreter von WTG ankam, voll bepackt mit Care-Paketen für alle, wurde die ganze Angelegenheit noch runder. Apropos Care-Paket. Ich denke nicht, dass das ein Geheimnis ist, das nicht verraten werden darf, daher teile ich euch mal mit, was da alles drin war.

Fans der Rhein-Neckar Löwen auf dem Bus-Parkplatz der SAP Arena vor der Abfahrt zum Pokalspiel in Leipzig.
In freudiger Erwartung des Busses.

Es gab eine Flasche Mineralwasser, eine Flasche Apfelsaft, einen Beutel eines weltbekannten, sonnigen Getränks aus Eppelheim, ein Käsebrötchen, ein Wurstbrötchen, einen “Löwen”-Schoko-Riegel, eine Mini-Salami, einen klitzekleiner Zitronenkuchen, eine Haselnusstafel, einen Snack für morgens um halb zehn in Deutschland, eine Tüte Erdnüsse, einmal saure Kaubonbons, einen Apfel, eine Mandarine, einen Kugelschreiber, zwei Servietten, eine Schlafmaske und ein Päckchen mit Samen für “Ä Tännchen”. Das war wirklich sehr reichlich; auch auf diesem Weg nochmal ein Dankeschön dafür!

Unterwegs

Sofern es auswärts nicht nur über den Rhein zu den Eulen Ludwigshafen geht, dauert so eine Fahrt ein bisschen. Leipzig ist nun tatsächlich nicht gerade um die Ecke, aber unser Busfahrer brachte uns souverän und mit einer sehr angenehmen Fahrweise sicher Kilometer um Kilometer näher an das Ziel. Unterwegs war dann auch viel zu hören. Von Musik, für die der selbsternannte DJ anscheinend nicht die vollen Gebühren gezahlt hat, weshalb diverse – um nicht zu sagen alle – Titel vorzeitig abgebrochen wurden, über Geschichten von früheren Auswärtsfahrten bis hin zu Fachsimpeleien und der Frage “Sekt oder Selters” war alles dabei. Wer eine Reise tut, der … ihr wisst schon.

Pause!

Einfach die ganze Strecke durchfahren ist natürlich nicht. Ein Busfahrer muss ja seine Pausenzeiten einhalten. So haben auch wir eine Pause eingelegt. Zeit, sich die Beine zu vertreten und frische Luft zu schnappen. Oder eher das, was auf dem Rastplatz als frische Luft verfügbar war. Der anheimelnde Duft frischen Asphalts belebt die Geister … oder halt auch nicht. Wie auch immer: Vor dem Wiedereinstieg noch gesehen, dass der Silberlöwe mit an Bord ist. So gingen die gut 30 Minuten dann auch vorbei, und die Fahrt ging weiter.

Ohne Pause, ohne Zwischenfälle

Genauso störungsfrei wie bis zur Pause ging es danach weiter gen Leipzig. Die Vorfreude wuchs, das Kribbeln vor dem Spiel steigerte sich, je näher das Ziel rückte. Und dann waren wir auch schon in Leipzig, an der dortigen Arena, die in direkter Nachbarschaft der Fußballarena liegt, deren Namen ich hier nicht erwähnen werde. Die pappige Energyplörre kommt mir in jeglicher Hinsicht nicht über die Lippen. Aber egal, wir mussten ja nicht dorthin, sondern in die Halle. Aber das wurde erstmal nichts.

Nein, das hat nichts mit schlecht gelaunten Ordnungskräften oder falschen Tickets zu tun, sondern damit, dass wir einfach zu früh da waren. Hallenöffnung war um 17:30 Uhr, und wir waren bereits um kurz nach 16:00 Uhr da. Tempo, Tempo halt, wie die Löwen auf der Platte, Damit blieb noch Zeit, sich ein wenig umzuschauen.

Auswärts in Leipzig

Zum Glück ist es in Deutschland nicht gefährlich, sich auswärts in Fan-Klamotten eines Handballvereins durch die Stadt zu bewegen. Jedenfalls habe ich bisher nie schlechte Erfahrungen gemacht. Und so war es auch kein Problem, dass meine Tochter und ich uns zum Hauptbahnhof auf den Weg machten, um uns diesen wenigstens kurz anzuschauen. Ist ja mit überdachten 83.640 Quadratmetern immerhin der größte Kopfbahnhof Europas. Da kann man schon mal rein schauen.

Um die Ecke der Arena ist der Hauptbahnhof jetzt aber auch nicht, sodass wir uns nach einem kurzen Stopp auch schon wieder auf den Rückweg machten. Ohne Stress kamen wir an der Arena an, und zwar so pünktlich, dass wir mit bei den ersten waren, die in die Halle konnten. Zu der Halle gibt es nun aber doch einiges zu sagen.

Schön und modern, aber …

Ja, es gibt es Aber, doch zunächst zu “schön und modern”. 2002 eröffnet, seit 2019 mit dem Namen “Quarterback Immobilien Arena” versehen, ist schon zu erkennen, dass die Halle durchaus höheren Ansprüchen genügt. Zumindest auf den ersten Blick. Die Umläufe, die Abgänge nach unten, alles bestens. Schön hell, die Bereiche, in denen Essen und Trinken verkauft wird, übersichtlich und freundlich gestaltet, und die Sitze sehen gut aus. Mehr kann ich dazu nicht sagen, denn … na ja, dazu gleich mehr.

Auswärts ist dein Platz nie ideal

Klar, jeder Verein vergibt die “besten” Plätze in der Halle an die eigenen Fans. Völlig in Ordnung, kann ich mit leben. In Flensburg z.B. sind die Plätze immer noch in Ordnung, in Ludwigshafen auch. In der SAP Arena ist der Gästeblock in einer Ecke im Oberrang, was zwar weit weg ist, aber dennoch einen sehr guten Blick bietet. In den Hallen, in denen ich bisher auswärts dabei war, hatte ich einen normalen Sitz, wie alle anderen Zuschauer:innen auch (außer den Polstersitzen für besonders wichtige Menschen). Das ist in Leipzig etwas anders.

Fans der Rhein-Neckar Löwen auf der kleinen Tribüne mit Holzbänken in der Arena Leipzig, vor einem riesigen Transparent mit jubelnden Fans des SC DHfK Leipzig.

Dass die Plätze hinter einem Tor sind, geschenkt. Finde ich auch nicht schlimm. Dass es nur drei Reihen gibt, auch geschenkt. Wir hatten damit die Plätze hinter dem Tor komplett für uns Löwenfans. Die Halle ist für Handball aber eigentlich zu lang. Daher ist hinter dem Gästeblock ein riesiges Transparent aufgehängt, das jubelnde Leipziger Fans zeigt. Nun, das kann ich verstehen, und ich kann damit leben. Hinter dem Transparent ist übrigens ein Kinderspielbereich aufgebaut, dazu noch eine Tischtennisplatte, und zumindest nach dem Pokalspiel fand wohl in diesem Bereich auch eine Disco statt. Jedenfalls war alles dafür vorbereitet. Bis dahin nicht optimal, aber ok. Alles nachvollziehbar und für mich in Ordnung.

Aber jetzt kommt das Aber!

Die Sitzplätze für Gästefans sind Holzbänke, ohne Rückenlehnen. Oder, um genauer zu sein: schmale Holzbänke. Dass es quasi als Entschädigung für jeden einen Getränkegutschein gab ist zwar nett, und angesichts des Spielverlaufs kann ich mit leben, aber ideal ist das nicht. Ich kann mir zwar durchaus vorstellen, dass es nicht billig und nicht einfach ist, das zu ändern. Aber das wäre wirklich ein großes Plus, wenn es hier irgendwann normale Sitze geben würde, wie auf den anderen Plätzen auch. Es wäre jedenfalls zu begrüßen.

Da war doch noch was

Ach ja, richtig. Es wurde ja auch Handball gespielt. Wenn du als Fan auswärts dabei bist, musst du immer gegen die Heimzuschauer anschreien, klatschen und jubeln. Du musst immer etwas mehr Gas geben, um dir Gehör zu verschaffen. Nachdem ich mir heute früh die Aufzeichnung des Spiels auf sportdeutschland.tv angeschaut habe, muss ich sagen, dass wir ganze Arbeit geleistet haben. Schon zu Beginn, aber natürlich besonders in der zweiten Halbzeit waren unsere Anfeuerungen gut zu hören.

Halbzeit 1

Das war phasenweise schon sehr zäh, was der sehr gut besetzten Halle geboten wurde. Ja, es waren einige tolle Aktionen dabei, v.a. von den Torhütern. Dazu gab es den einen oder anderen sehenswerten Treffer, aber doch auch diverse weniger geniale Momente. Das 15:16 auf der Anzeigetafel war leistungsgerecht. Ehrlich gesagt hatte ich das auch in etwa so erwartet, nachdem die Leipziger ihren Chef-Trainer Andre Haber zwei Tage vorher entlassen hatten. Da spielt eine Mannschaft häufig unbeschwerter, befreiter auf und ist oft schwer einzuschätzen. Und die Leipziger zeigten, dass sie gute Handballer in ihren Reihen haben. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Abwehr der Löwen recht passiv war und sich im Abschluss einige Fehler einschlichen. Das sollte sich ändern, und wie!

Halbzeit 2

Ich hätte gerne das, was im Pausengetränk der Löwen war. Junge, Junge, ging da plötzlich die Post ab! Die Abwehr endlich zupackender, mit mehr Ballgewinnen, die zu einem gnadenlosen Tempospiel führten. Auch im Positionsangriff waren nun mehr Ideen da, mehr Konsequenz im Abschluss. Schnell wurde aus dem 15:16 ein 16:22. Überragend! So musst du auswärts auftreten! Dann wird auch die Halle ruhiger. Nicht, dass da gar nichts mehr ging. Das Heimpublikum gab nie auf, wurde immer wieder angetrieben und feuerte die Mannschaft auch dann noch an, als das Spiel entschieden war. Wenn jetzt noch die Leipziger Mannschaft auf dem Niveau spielt, dann sollte es bald wieder aufwärts gehen.

Bei einigen Toren der Löwen habe ich beim Anschauen der Aufzeichnung genauer hingeschaut. Besonders deshalb, weil den Löwen etwas gelungen ist, was einen Gegner total zermürben kann. Kaum hatte Leipzig ein Tor erzielt, schlugen die Löwen zurück. Insgesamt vier Mal gelang den Löwen genau sieben Sekunden nach einem Leipziger Treffer ebenfalls ein Torerfolg. Irre! Ein absolutes Markenzeichen der Löwen unter Trainer Sebastian Hinze, und etwas, was der Kommentator bei sportdeutschland.tv sinngemäß so beschrieb, dass die Löwen den Leipzigern nicht nur den Zahn, sondern das ganze Gebiss gezogen haben.

Auswärts plus Sieg ergibt Auswärtssieg

Das war sehr überzeugend, wie die Löwen nach der Halbzeit aufgetreten sind. Daher konnte und durfte sich die Mannschaft nach dem Schlusspfiff auch zurecht feiern lassen. Auswärts dabei sein, und mit einem Sieg nach Hause fahren – kann mensch mal machen. Für uns hieß es, langsam Abschied zu nehmen von der Halle und von Leipzig, denn 30 Minuten nach Abpfiff sollte die Rückfahrt starten. Zwar gab es dabei eine kurze Autobahnsperrung, die wir umfahren mussten, und es musste ein Fahrerwechsel durchgeführt werden, aber das klappte alles problemlos. Zügig ging es in Richtung SAP Arena.

OK, stimmungstechnisch war das eher weniger überschäumend, um es vorsichtig auszudrücken. Anders ausgedrückt: Es war eine weitgehend ruhige Rückfahrt. Die meisten waren dann doch schon etwas müde. Schließlich hatten sich nicht wenige in der Halle verausgabt, um die Mannschaft nach vorne zu brüllen. Dass es dann doch recht flott zurück ging, war auch nicht verkehrt, und so waren wir gegen 02:40 Uhr morgens an der SAP Arena. Alles zusammen suchen und mitnehmen – wir haben, glaube ich, eine Flasche Fanta übersehen, aber es war ja schon spät, oder früh, wie auch immer, zum eigenen Auto und dann nach hause. Ca. um 03:20 Uhr war auch diese letzte Etappe geschafft. Ich hoffe, alle anderen kamen ebenfalls gut an ihr Ziel.

Noch mal auswärts?

Aber sowas von sicher! Auswärts ist einfach ein besonderes Erlebnis. Nein, auch jetzt wird das für mich natürlich keine regelmäßige Aktion werden. Zeitlich ist das einfach nicht machbar. Aber wenn es möglich ist, dann gerne wieder. Jedenfalls bin ich schon am Überlegen, ob ich es nicht doch irgendwie einrichten kann, beim nächsten Pokalspiel in Kassel dabei zu sein. Vielleicht gibt es dann wieder einige bekannte Gesichter von der Leipzig-Fahrt zu sehen. Ich würde mich freuen.